The Daily Steampunk

Neues aus dem Æther
Mehr zu Steampunk gibt es bei The Traveler's Steampunk Blog, meinem Hauptblog.

Rezension: Anja Bagus – Aetherhertz

Posted By on 11. Mai 2013


Jetzt habe ich es tatsächlich geschafft, einen kompletten original deutschen Steampunkroman zu Ende zu lesen. Bisher waren es nur Anthologien, da kommen auch noch Rezensionen, fragt sich nur, wann ich die schaffe. Ich schweife ab…

Zu Aetherhertz kam ich eher zufällig, mit der Autorin, Anja Bagus, hatte ich aus anderen Gründen einen Emailwechsel und mitten in der Konversation kam dann die Frage, ob ich ihren gerade fertiggestellten Roman lesen würde, quasi als Beta-Leser und Rezensent vor Veröffentlichung. Zum Glück habe ich zugestimmt, denn ich fand folgendes:

Aetherhertz von Anja Bagus (Covermotiv)

Aetherhertz beginnt mit einer Verschwörung, die Geburt eines Kindes wird vertuscht, und ich war der Meinung, dass die hier beteiligtenVerschwörer die Hauptbösewichter seien. Ich lag falsch. In Aetherhertz sind so einige Dinge nicht so, wie sie zu sein scheinen, was ein Faktor ist, der das Buch sehr spannend macht.

Ein weiterer Vorzug von Anja Bagus’ Erstlingswerk ist die Tiefe und der Detailreichtum des Settings. Aetherhertz spielt in einem alternativen Baden-Baden zu Anfang des 20. Jahrhunderts, 1910, um genau zu sein. Gesellschaftsstruktur, Manieren, soziale Normen entsprechen sehr exakt denen, die im Wilhelminischen Deutschland an der Tagesordnung waren, und die Charakterisierung der Akteure und der Stadt und ihrer Einwohner ist an liebevoller Detailtreue kaum zu überbieten.

Aber es ist natürlich nicht alles so wie im historischen Baden-Baden:

Vor ca. 20-30 Jahren haben die Flüsse und Seen der Welt angefangen, Äther abzugeben, als Nebel, und die Menschen, die mit ihm in Kontakt kommen, verändern sich auf unterschiedliche Weise, je nachdem, mit was für Äther und über welchen Zeitraum sie damit in Kontakt kommen.

Viele Menschen fürchten sich vor dem Äther und dem, was er aus den Menschen macht. Veränderte, “Verdorbene”, werden gemieden und oft auch weggesperrt. Das ist wiederum ein Punkt, der die Handlung voran treibt und mich ein paar mal sehr zornig gemacht hat.

Andererseits hat de Äther einige ganz erstaunliche wissenschaftliche und technische Fortschritte ermöglicht, die sich allmählich im täglichen Leben bemerkbar machen.

Die Handlung selbst dreht sich um Fräulein Annabelle Rosenherz, einzige Tochter eines verschollenen Wissenschaftlers und selbst an der Wissenschaft interessiert, was für eine höhere Tochter ziemlich unschicklich ist. Ihr Interesse zieht sie in die Geschehnisse um die eingangs erwähnte Verschwörung, was ihre Situation nicht verbessert. Erschwerend kommt hinzu, dass ihr ein Anwalt im Nacken sitzt, der gerne ihr Erbe verwalten würde, bis sie volljährig und/oder verheiratet ist (am besten mit seinem bevorzugten Sohn). Sie selbst hat obendrein ein Geheimnis zu wahren und beide Söhne des Anwalts machen ihr den Hof. Der eine ist Offizier einer besonderen Polizeieinheit, die Äthertechnologie verwendet, der andere ist Kunsthistoriker und begabter Erfinder. Alle drei, und zu einem geringeren Teil Annabelle’s Patenonkel und ihre beste Freundin, kommen mit der Baden-Badener Unterwelt in Konflikt und einer ganz anderen Verschwörung auf die Spur, mit der keiner (und auch nicht der Leser) gerechnet hatte.

Der Plot ist dynamisch, sehr fesselnd und neben einer ganze Menge Spannung und hervorragenden (und auch augenzwinkernd etwas klischeehaften) Charakteren gibt es Chemie zwischen den Protagonisten, Erotik und Gelegenheit, vor Wut mit den Zähnen zu knirschen.

Mehr will ich nicht verraten.

Ich fasse also zusammen:
Überzeugende Charaktere, ein historisch fundiertes Setting, eine Priese Shadowrun und ein Plot, der von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Aetherhertz ist ein herausragendes Erstlingswerk, der beste deuschsprachige Steampunkroman den ich bisher gelesen habe und der, an dem sich in Zukunft alle anderen zu messen habe. Ich harre der Fortsetzung!

9 von 10 Zeppelinen für Aetherhertz

Eigentlich wollte ich 10/10 geben, aber das wäre ein bisschen fies von mir. Ich hatte mich auf meinem englischen Blog immer über klischeehafte Deutsche in englischsprachigen Steampunkromanen aufgeregt. Anja Bagus  hat leider einen total miesen Franzosen in ihrem Roman, der wirklich jedes schlechte Stereotyp erfüllt und sehr eindimensional dargestellt wird. Das ist aber wirklich der einzige Punkt, den ich auszusetzen habe.



Romantic Heart’n Festival auf Gut Vogelsang

Posted By on 9. Mai 2013


Es bewegt sich wirklich was in Sachen Steampunk in Deutschland, nach dem kürzlich statt gefundenen Aethercircus steigt Ende Mai gleich ein weiteres:

rohefe2013_teaser

Geheimnisvolle Gemäuer, neblige Parkanlagen und knorrige Bäume. Das Herrenhaus Vogelsang verzaubert Besucher schon seit seinem Bau zur Zeit der Deutschen Romantik im 19. Jahrhundert und schafft eine perfekte Kulisse für das einzigartige „RomanticHeart´n Festival“ Besucher erfahren eine Zeitreise in die Epoche der Sehnsucht und Leidenschaft, lassen sich vom Charme des Herrenhauses gefangen nehmen, genießen Lyrik und Schönheit in verschiedensten Formen. Die abenteuerliche Umgebung und das anspruchsvolle Programm aus Shows, Theater, Lyrik und Installation versprechen ein besonderes, sich entfaltendes Festivalerlebnis angelehnt an STEAMPUNK.

Näheres dazu auf der Website.

Dieselpunk Überraschungsei

Posted By on 8. Mai 2013


Das nenne ich doch mal Glück. Meine Frau und mein Sohn waren heute einkaufen (im netten türkischen Supermarkt an der Ecke) und da die Inhaberin einen Narren an meinem Sohn gefressen hat, bekam er ein Überraschungsei geschenkt. Er hat die Schokolade gegessen, aber die Überraschung sollte Pappa haben. Sohnemann hat sie extra für mich aufgehoben.
Na, und was war die Überraschung?
Das hier:

Ei kleiner Schienezeppelin! Welch ein Glück. Das wohl dieselpunkigste Schienenfahrzeug, das je gebaut würde und der Zufall hat es in unsere Familie geführt! Die Angaben auf dem “Beipackzettel” sind sogar korrekt, das hat mich noch mehr überrascht als die eigentliche Überraschung.

Happy son, happy father, happy day!

Steampunk Hairstyling

Posted By on 25. April 2013


In letzter Zeit sehe ich immer häufiger Diskussionen und Tipps rund ums Thema Frisuren für Steampunks, Hairstyling für Steampunks und so weiter. Zum Glück ist das, was da ausgetauscht wird, eher an Damen gerichtet, und das ist auch gut so. Ich trage einen gepflegten Pferdeschwanz und möchte das nicht ändern.

Überhaupt scheint es so, dass der (Hair)Stylingdruck mal wieder eher auf den Damen der Szene liegt, die ihre oft schon sehr opulenten Kleider noch durch die richtige Frisur akzentuieren müssen. Eigentlich ist es ja sogar so, dass zu einem richtigen viktorianischen Kleid bzw. dem Kleid einer Steampunk Dame der besseren Gesellschaft eine gewisse Haartracht gehört. So etwas wie das hier:

 

Steampunk Hairstyle

Wie man sieht, da ist schon eine gewisse Lockenpracht gefordert. Sieht man sich die Anweisungen an, die über das Æthernetz getauscht werden, bezüglich dem richtigen Stecken und Flechten der Frisur entsteht ein ähnliches Bild, lange Haare sind besser und steampunkiger, gerade bei Damen. Case in Point, diese echte Vintage Frisuranweisung:

Frisuranweisung ca. 1910

In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch auf eine spezialisierte Bildersammlung auf Pinterest hinweisen, die sich mit dem Thema beschäftigt.
Nun ist es ja leider so, dass nicht jede Steampunkdame die passenden langen Haare hat, was also tun? Und da zahlt es sich aus, dass Steampunk ein modernes Phänomen ist, denn dank dem Æthernetz kommt man ja zu den Haaren, die man nicht hat, oder nicht in der gewünschten Länge.
Haarteile, Tressen und so lassen sich heute wirklich schnell über diverse Anbieter im Netz beziehen, da kann man sich dann schon mal schnell für ein Event stylen, auch wenn man (bzw. frau) gewöhnlich kürzere Haare hat und bevorzugt.
Ob das jetzt teuer ist oder preislich OK, kann ich nicht beurteilen, aber das richtige Outfit ist ja generell in unserer Szene eher kosten- und/oder zeitintensiv, da fallen ein Haarteil oder zwei auch nicht mehr ins Gewicht.
Stellt sich die Frage: Kommt es jetzt auch noch zu einem Frisuren-Wettrüsten innerhalb der Szene, so wie das früher mit den Rüstungsteilen bei den Goths war? Ich hoffe nicht, aber man weiß ja nie. Zumindest kann ich sagen, dass ich diese klassischen Frisuren an Frauen bevorzuge (zusammen mit Anime-Style Frisuren, aber das ist ein ganz anderes Thema).
Moment mal, Steampunk ist ja angeblich zur Zeit richtig in. Vielleicht kommt dann auch ein Trend zu Vintage-Frisuren, wie sie in der Belle Epoque modern waren. Das wäre dann aber wirklich eine begrüßenswerte Entwicklung. Mal sehen, was die Zukunft bringt.



Blogger Schenken Lesefreude – Buchverlosung!

Posted By on 23. April 2013


Zum heutigen Welttag des Buches  verlost Daily Steampunk im Rahmen der Aktion Blogger schenken Lesefreude den ersten Teil der “Das Ewige Empire” Trilogie von Lavie Tidhar, The Bookman.

Ich habe den Roman bereits hier im Blog rezensiert.

Ursprünglich wollte ich übrigens den Roman verlosen, der mich mit Steampunk in Kontakt gebracht hat: Zeitnomaden von Michael Moorcock. Der ist allerdings momentan vergriffen.

Also, wer gerne ein Eyxemplar von The Bookman gewinnen möchte, schreibt eine  Æthernachricht an webmaster (æ) dailysteampunk.com. Die glückliche Gewinnerin oder der glückliche Gewinner wird um den ersten Mai herum benachrichtigt.

 

Viel Glück allen!

 

Cover von Bookman von Lavie Tidhar

Steampunk an der TU Dortmund

Posted By on 20. April 2013


In diesem Sommersemester (genauer gesagt am 17. April) startete an der TU Dortmund ein Kurs zum Thema Steampunk. Das hat mich ziemlich überrascht, aber gleichzeitig sehr gefreut da Dortmund ja gar nicht weit von hier ist.

Hinzu kommt, dass ich jetzt bei diesem Kurs am Rande involviert bin (und mein lieber Freund Captain Serenus ebenfalls), da unser Buch als Literaturgrundlage des Kurses dient.

Noch hinzuer kommt: Ich gebe im Rahmen dieses Kurses wahrscheinlich einen Vortrag an der TU Dortmund. Wie es aussieht, wird dieser im Juni statt finden, ein genaues Datum ist noch nicht gewählt, ich werde in jedem Falle darüber berichten. In jedem Falle steigt die Spannung, Steampunk an der Universität und ich bin auch noch mit dabei… Wie unglaublich non-euclidisch!

 

tu_dortmund



Nicht ganz ein Zeppelin, aber auch nicht schlecht

Posted By on 16. April 2013


Eine stationäre Sperrballon-Drohne zur Geländebeobachtung im Einsatz bei der Bundeswehr:



Rezension: Tinker-Kate und die Geheime Bruderschaft

Posted By on 12. April 2013


Das ist die Rezension von der ich nie gedacht habe, dass ich sie machen werde. Wer von euch kennt den CORA Verlag aus Hamburg? Der Verlag ist für seine Liebes-, Arzt- und Adelsromane bekannt, die man an Kiosks und im Bahnhofsbuchhandel findet (z.B. die Tiffany-und Baccara-Reihen), hat in letzter Zeit aber auch in die Horror, Fantasy und Romantic Thriller Sparte expandiert.
Ja, jetzt will er auch im gerade populären Steampunkbereich Fuß fassen und veröffentlicht ab dem 15. April die als Episodenroman ausgelegte Steampunk-Saga.
Tja, und so begab es sich, dass ich eine wirklich ausgesprochen nette Email in meinem Postfach fand (gefolgt von einem sehr angenehmen Telefonat) mit der Bitte, mir den ersten Teil, Tinker-Kate und die Geheime Bruderschaft, anzusehen und zu rezensieren. Das habe ich auch prompt gemacht.
Bevor ich mit der Rezension beginne, muss ich noch was vorausschicken, da ich leider nicht ganz vorurteilsfrei an die Sache ran gegangen bin.

  1. Wer diesen und v.a. meinen englischen Blog liest, weiß das Liebesromane nicht so wirklich mein Fall sind, die Steampunk-Saga ist aber eine Steampunk-Mysterie-Romanze.
  2. Ich war lange Zeit aktiver Perry Rhodan Sammler und bin immer noch Fan, in geringerem Maße gilt das auch für John Sinclair, ich bin Schema-Literatur an sich nicht abgeneigt.
  3. Ich gehöre nun wirklich nicht zur Zielgruppe des CORA Verlages

 

Tinker-Kate und die Geheime Bruderschaft

Wie dem auch sei, ich erwartete Klischees, eine einfache Handlung und dass ich das Ebook nach spätestens 20 Seiten löschen würde, tatsächlich fand ich folgendes:

Was die Klischees und die einfache Handlung angeht, wurden meine Erwartungen nicht enttäuscht, das kreide ich dem Autor “Steve Hogan” auch gar nicht an, diese Art Roman wird im Wochentakt geschrieben, da kommen keine Nobelpreiskandidaten heraus. Kurz zusammengefasst geht es im ersten Teil der Steampunk-Saga um die Dampfkutter Pilotin Katherine “Tinker-Kate” Fenton, die 1851 in einem alternativen London ihren Lebensunterhalt damit verdient, mit dem von ihrem Vater geerbten Dampfkutter, eine Art dampfgetriebener Gyrokopter oder Hubschrauber, Passagiere durch London zu fliegen, als eine Art Taxiservice. Tinker-Kate ist fast mittellos, eine Waise, Anfang 20, ausgesprochen attraktiv, weiß sich zu helfen und ist der Archetyp der schönen Heldin, die auf sich aufpassen kann. Außerdem ist sie als Spitzel für die Metropolitan Police tätig und wird dadurch in mysteriöse Ereignisse verwickelt, hinter denen möglicher Weise ein Vampir steht. Dass sie im Zuge der Ereignisse auf einen ausgesprochen gut aussehenden (und vielleicht sogar wohlhabenden) jungen Mann trifft, muss fast nicht erwähnt werden. Damit ist die Handlung auch schon zusammengefasst.

Was mich jetzt wundert, obwohl die Handlung einfach und voraussehbar ist, die Charaktere wandelnde Klischees sind und die Steampunkelemente sich auf Dampfkutter und Luftschiffe beschränken, ist Tinker-Kate und die Geheime Bruderschaft wirklich gut zu lesen. Zugegeben, ich hatte einige Momente bei denen ich mit den Zähnen geknirscht habe und mehr als einmal dachte ich mir “Und jetzt kommt X” und X kam, aber Tinker-Kate und die Geheime Bruderschaft macht Spaß. Steve Hogan versteht sein Handwerk und hat hier den ersten Teil eines Steampunk-Episodenromans abgeliefert, der handwerklich und inhaltlich für das was er ist, Escape-Literatur, nichts zu wünschen übrig lässt. Wie gesagt, die Steampunkelemente sind sehr oberflächlich, aber vielleicht ändert sich das mit den nächsten Teilen noch und vielleicht sind sogar noch ein paar Überraschungen in der weiteren Handlung drin.

Mir hat Tinker-Kate und die Geheime Bruderschaft auf sehr seltsame Weise Spaß gemacht, auch das spricht für Mr. Hogans Können. Der Roman ist das literarische Equivalent eines B-Movies. Man ließt ihn nicht wegen der Qualität, sondern weil man leichte Unterhaltung will, und da brilliert er.  War sehr leichte Kost, aber für das was es ist, nicht übel. Mal sehen, was Teil Zwei bringt.

(Nach den üblichen Richtlinien 7 von 10 Zeppelinen, aber sehr seltsame Zeppeline)

 

Magazinfeature über Airlords of Airia in der Digital Production

Posted By on 12. April 2013


Da geht der kleine Steampunkberufspendler eines Morgens in den Bahnhofsbuchhandel und dann sticht ihm das Cover der neuesten Digital Production in Auge:

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Da musste ich doch gleich mal reinschauen, da das zumindest schon mal nach Clockpunk aussieht. Meine Neugier wurde nicht enttäuscht, denn drinne gibt es ein Interview mit Dirk Müller über den Erfolg des Crowdfundings des Airlords of Airia Kurzfilms, dessen Produktion und die Zukunftspläne.

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Das freut mich natürlich ungemein, weil sowas natürlich zusätzliche Bekanntheit schafft und die Chancen der Verwirklichung des Spielfilms weiter erhöht. Die nächste Eskalationsstufe ist dann ein Artikel oder Interview in der Wired. Mal sehen, wann es soweit ist.

Professor Elemental – This Is My Horse (show me yours)

Posted By on 20. März 2013


Der gute, mehr als nur leicht schräge Professor Elemental hat mal wieder ein kleines Video gedreht (zusammen mit Moog Gravett) und ich hätte mich fast an meinem Kaffee verschluckt: