Interview mit The Violet Tribe
Posted By Traveler on 9. November 2011
Vor einiger Zeit ließ mir mein lieber Freund Timo einen Link zukommen. Das macht er ziemlich häufig, wofür ich sehr dankbar bin. Im konkreten Falle war hinter dem Link ein Video von Violet Tribe, und zwar The Steam Song. Mit anderen Worten: Dieses hier:
Ich war so begeistert, dass ich mit den Damen Kontakt aufgenommen und um ein Interview gebeten habe. Bianca, Arzo, Svahara und Annun waren auch gerne bereit, mir eines zu geben. Lily und Dr. P haben es zeitlich leider nicht geschafft, aber vier von sechs ist auch keine schlechte Quote und ich bin sowieso begeistert, dass es überhaupt geklappt hat.
Hier nun also mein Interview mit vier ganz bezaubernden Damen von The Violet Tribe:
Traveler: Seit wann besteht der Tribe und wie lange betreiben die Mitglieder Trible Bellydance?
BIANCA: Wir hecken wunderliche Dinge aus seit dem denkwürdigen Sommer 2009. Einmal schrieb ein Rezensent über die erste CD, die „Ravishing Collection of Curios“: Es klingt, als würden zwei Lieder gleichzeitig laufen. Schöner kann man es eigentlich nicht sagen!
ARZO: Also, zum Tribble Dance wurde ich damals von Star Trek inspiriert, von der Folge mit den Pelztierchen. Das war die erste Staffel, noch mit Captain Kirk und Mr. Spock, also ist das schon ziemlich lange her. ![]()
SVAHARA: Ich hab 1999 mit Bellydance begonnen und unterrichte seit 2005.
ANNUN: Insgesamt tanze ich seit meinem 16. Lebensjahr, Tribal Bellydance aber auch erst seit 2005.
Traveler: Steht der Name in Zusammenhang mit Rachel Brice’s The Indigo?
ANNUN: Nein, er steht im Zusammenhang mit der Band Violet, in der Bianca seit vielen Jahren als Sängerin und Musikerin aktiv ist, genauso wie Dr. P. Ich möchte fast sagen, TVT ist die „Tochter“ von Violet.
SVAHARA: Da Bianca auch tanzt, wollte sie Musik und Tanz verbinden. Bei Tanzgruppen, deren Wurzeln der American Tribal Style ist, ist es üblich sich Tribe zu nennen, da war der Name naheliegend. Die Farbe Indigo ist übrigens ein Blau-Lila, Violett geht eher ins Magenta. *professorenbrilleabsetz*
Traveler: Wie habt ihr euch gefunden?
ARZO: Bianca „Cinnamon Star“ hat uns quasi von der Straße aufgelesen, mit wechselnder Temperatur zu einem harten Kern geschmiedet und mit guter Musik abgelöscht.
BIANCA: Dieses nutzlose Herumgammeln war aber auch nicht mit anzusehen!
Traveler: Ist die Besetzung konstant oder gibt es einen Kern mit wechselnden weiteren Mitgliedern?
ANNUN: Es gibt ein festen Kern, aber ab und an laden wir auch gerne einmal Gasttänzer oder Musiker ein.
SVAHARA: Bisher ist die Besetzung konstant, nur Mariam ist leider ausgeschieden, weil sie sich nun mehr um ihre Ausbildung zur Bühnentänzerin kümmern muss.
Traveler: Wo findet man The Violet Tribe und die Mitglieder im Netz?
SVAHARA: Bei MySpace, Facebook und demnächst werden wir auch eine eigene Homepage haben.
BIANCA: Die Domain ist immerhin schon da, im Moment führt sie allerdings noch zu MySpace: www.thevioletribe.de.
ARZO: Mich findet man unter www.serpent-blanc.com (mein Studio) und www.tribal-signs.com (mein Buch).
ANNUN: Ich bin freiberuflich als Tänzerin, Dozentin und Choreografin tätig, und all meine Termine diesbezüglich findet Ihr unter: www.henneth-annun.de.
BIANCA: Lily arbeitet ebenfalls als Tänzerin und Dozentin, ihre Homepage ist diese hier: http://www.miss-lily-qamar.de.
Ich schlage mich mit Erfindungen zum Hören und Lesen durch, Näheres erfahrt Ihr hier: www.bianca-stuecker.de. Diese Seite ist im Augenblick etwas spartanisch und umfasst nur Vita/Projekte/Termine, demnächst wird sie komplett umgebaut. Tanzinfos zu mir gibt es hier: www.bianca-dance.de. Und um Violet nicht ganz zu vergessen: Unter www.violet-net.de lässt sich mehr herausfinden.
Traveler: Habt ihr neben Violet Tribe noch andere Projekte laufen und wenn ja, wo sind die zu finden?
ARZO: Oh, bei mir sind das verdammt viele. Die Tribalstämme Terpsichoré und Verdandi, Gothic Tribal mit Penthesilea, Gogo Dance mit Flesh & Blood. Außerdem Soloprojekte in Gogo, Burlesque, Pole Dance und Postapocalyptic… Ich hab mal versucht, die wichtigsten auf der Seite meiner Tanzschule zusammenzufassen: http://www.serpent-blanc.com/booking.html
BIANCA: Außer TVT und Violet gibt es noch das Mittelalter-Ensemble Violetta, bei dem Dr. P und ich zusammen spielen, und mein Electroprojekt VaNi, das zur Zeit allerdings etwas zurückstehen muss. 2007 ist außerdem mein Debütroman „Schaulaufen für Anfänger“ als Fischer Taschenbuch erschienen, und zur Zeit promoviere ich an der Folkwang Universität der Künste in Essen im Fach Musikwissenschaft. Ich habe ein paar Jahre als Chorleiterin gearbeitet, für die Zukunft sind Workshops zum Thema Mittelalterlicher Gesang geplant. Die Links zu den Projekten und zum Buch sowie meine Termine findet Ihr auf meinen Seiten.
Traveler: Wie seid Ihr zur Verbindung Tribal Bellydance/Steampunk gekommen?
BIANCA: Ein bisschen unspektakulär in meinem Fall – durch Abney Park.
SVAHARA: Wenn man sich weiterentwickelt und Vintagestyle liebt, ist der nächste Schritt, in der viktorianischen Zeit anzukommen. Und da ich persönlich Endzeitfilme und auch Rock und Metal liebe, bin ich im Steampunk gut zu Hause.
Traveler: Würdet Ihr euch als Steampunk Tribal Bellydancer bezeichnen?
ARZO: Äh, ja? Ja.
SVAHARA: Nicht ausschließlich, denn es fließen noch jede Menge mehr Stile mit ein. Gothic, Orient, Pop, Zirkus, 20er, Barock, Burlesque, Balkan, Zigeuner, Piraten, Flamenco… um nur einige zu nennen.Wir sind sehr vielschichtig und verarbeiten alles, was uns inspiriert und durch das Leben begleitet.
ANNUN: Also, ehrlich gesagt gibt es noch gar keine Definition, inwiefern genau sich der Steampunk Fusion Dance (oder wie immer man/frau das nennen möchte) von anderen Stilen des Tribal Fusion Bellydance unterscheidet. Genügt es, sich einfach steampunkig zu stylen, und/oder Steampunkmusik zu interpretieren? Ich glaube, das entwickelt sich noch.
BIANCA: Eine solche Definition wäre für die Musik strenggenommen eigentlich auch noch offen, charakteristisch sind auf dem Gebiet bisher ja eher die Inhalte, würde ich sagen.
Traveler: Wer hatte die Idee zu The Steam Song?
BIANCA: Ich wollte gern etwas zu diesem Thema machen, weil es das in Deutschland – soweit ich weiß – noch gar nicht gab. Das komplette erste Album war die reinste musikalische Spielwiese, da durfte ein Steampunk-Stück nicht fehlen, denn das war etwas Neues, Unerprobtes, von Konventionen noch kaum Beeinträchtigtes und somit reizvoll.
Traveler: Ist in der Richtung noch mehr geplant?
BIANCA: Geplant wird bei uns wenig – das ist ja das Schöne! Aber Steampunk ist sicher noch nicht ausgereizt, gerade in der Tanzszene sind Steampunk-Kostüme zur Zeit sehr en vogue, sodass sich über das Visuelle auch wieder neue musikalische Ideen ihren Weg bahnen könnten. Und wenn man genau hinhört, wird man auch ein paar steampunkkompatible Anleihen auf dem „Grand Hotel“ entdecken…
ARZO: Es gibt ja auch noch ein paar mehr steam-affine Stücke: “The Mad Professor´s Had An Overdose” zum Beispiel. Außerdem hatte ich immer schon das Bedürfnis, mal etwas zu einem tickenden Uhrwerk zu tanzen. Da kommt also noch eine Menge auf die Hörer zu… Die Inspiration ist definitiv noch nicht am Ende.
Traveler: Woher nehmt Ihr die Inspiration für eure Musik und Kostüme?
ANNUN: Wir sind extrem spontan und jeder Einzelne so kreativ, dass wir uns gegenseitig inspirieren… Es können z.B. echt völlig komische Dialoge auf Facebook sein, so kamen wir auf den Titel „Schleifchen aus Stahl“! Da ging es los mit einem total coolen, metalartigen Outfit, was wir bei Kolleginnen gesehen haben, und es kam die Idee auf, dass wir uns doch auch mal was in der Richtung anfertigen können für ein Shooting. Und es ging weiter mit: „Aber bitte mit Schleifchen“, „Schleifchen aus Stahl“…tadaaaa! Titel fertig! (Das war jetzt wirklich eine absolute Kurzfassung…
)
BIANCA: So verhielt es sich eigentlich mit dem kompletten „Grand Hotel“: Alle haben sich etwa ein bestimmtes Thema gewünscht, das sie gern tänzerisch interpretieren würden, und daraufhin habe ich mich an die Musik gemacht. Das war toll, durch die entsprechenden Stichworte von „außen“ sind auf diese Weise Lieder entstanden, die mir ohne den Tribe so sicher nicht eingefallen wären.
SVAHARA: Bücher, Filme, Träume, andere Künstler, Musik… Ich hatte mir z.B. ein Barockstück auf der CD gewünscht und habe dafür natürlich auch ein Kostüm haben wollen. Ich suchte einen speziellen Stoff dafür – Gold und dunkelroter Samt schwebten mir vor, wie ich es in entsprechenden Filmen gesehen hatte. Da es das nicht gab, machte ich ihn selber, indem ich alte, verschnörkelte Spitzendeckchen goldfarben besprühte, ausschnitt und auf den Samt nähte. Glitzersteine drauf und fertig.
Traveler: Fühlt Ihr euch der Gotik oder einer anderen Szene besonders verbunden? Wenn ja, welcher? Und gibt es da innerhalb des Tribes Unterschiede?
BIANCA: Seit frühester Jugend bin ich schwarz sozialisiert, und obwohl man das nicht mehr jeden Tag sieht, wird sich in Zukunft am Zugehörigkeitsgefühl zu dieser Szene sicherlich nichts ändern – das geht nicht mehr weg.
ARZO: Also, ich bin definitiv auch Gothic, und das heißt Allroundgrufti. Mittelalter, Industrial, Electro-Nahkampf, Trauerweide, Neoromantik. (Nur kein Rotwein und keine schlechten selbstverfassten Gedichte.) Mit dem Brand des Zwischenfalls in Bochum ist ein Teil meiner Jugend in Asche gefallen.
ANNUN: Unterschiede gibt es schon. Was die Musik angeht, höre ich persönlich alles, also genreübergreifend, wobei meine Präferenzen je nach Lebensphase wechseln können, das hängt von meinem Gefühl ab. Ansonsten gehöre ich der Tanzszene (Orientalischer Tanz und Tribal Fusion Bellydance) an.
SVAHARA: Ich denke, jeder hat seinen Schwerpunkt etwas stärker in einem anderen Bereich. Aber jeder kann mit den anderen etwas anfangen und das bereichert unsere Band.
Ich würde für mich sagen, dsas ich all diese Szenen mag, Gothic, Steampunk, Mittelalter, Vintage.
Traveler: Vielen Dank für Eure Zeit!





[...] The Violet Tribe, and their other projects. This interview is actually a translated version of the original German one, which can be found on my German steampunk [...]